Die Vision vom Traumjob

Auf einer Skala von 1-10, wie wichtig ist dir ein erfülltes Berufsleben? Und wie würdest du dein Berufsleben aktuell beurteilen? Wie viel Energie gibt dir der Job, den du gerade machst? Ganz schön viele Fragen für so eine vermeintlich einfache Angelegenheit: Die Vorstellung vom Traumjob. 

Die Wahrheit ist, man muss sich selber schon ziemlich gut kennen, um zu wissen, welcher Job der richtige ist und welche Kriterien dafür überhaupt ausschlaggebend sind. Was sind deine Werte? Worin siehst du deinen Sinn? Welche Ziele möchtest du erreichen? Diese Fragen sind wichtige Wegweiser auf der Suche nach dem richtigen Job. Und auch gleichzeitig die Antwort darauf, warum sich heute eigentlich so viele Menschen mit einem solchen Luxusproblem beschäftigen.

Eigentlich sollte man ja froh sein, überhaupt einen Job zu haben, der die Existenz sichert, ein Dach über dem Kopf bietet, vielleicht sogar eine Familie ernähren kann. Machen wir uns heute zu viele Gedanken darüber, was es im Leben noch so geben könnte? Ob wir unser Potential ausschöpfen? Ob es noch besser geht? Und ob das Gras nicht irgendwo grüner ist? Sind wir nicht bescheiden genug? Nicht zufrieden genug? Undankbar? Diese Fragen werden so oft universell gestellt, und doch muss sie jeder für sich persönlich beantworten. 

Und meistens ist es doch so: diejenigen, die sich die Fragen nach dem eigenen Sinn, Werten, Zielen und schließlich der beruflichen Erfüllung bereits stellen, sind genau die, die ohne Zweifel und Bedenken daran arbeiten sollten, diese zu ergründen. Obwohl eigentlich alles gut ist. Obwohl die Fragen gar nicht so super dringend sind. Und obwohl das Leben noch lang genug ist, und die Antworten vermutlich wie bei Super Mario in Level 36 irgendwo auf der Straße liegen. You get the idea. This shit ain’t gonna do itself. 

Wie relevant dieses Thema überhaupt für dich ist, hängt davon ab, wie du die allererste Frage oben beantworten würdest. Wenn für dich dein Job verglichen mit den anderen Bereichen deines Lebens gar keine ausschlaggebende Bedeutung hat und du einfach einen Job machen möchtest,  bei dem du das nötige Geld verdienst, nette Kollegen und eine gute Work-Life-Balance hast, dann ist das genauso in Ordnung, als wenn du deinem Beruf einen hohen Stellenwert zusprichst und alles daran setzen möchtest, den Job zu finden, der dich glücklich macht und erfüllt. Man muss jedoch wissen, zu welcher Gruppe man gehört. Hierzu hat die Business Coachin Dr. Petra Bock ein richtig gutes Buch geschrieben, in dem diese Unterschiede anhand von sechs verschiedenen Arbeitstypen differenziert werden. Auf diese Weise habe ich meinen Arbeitstyp gefunden, der sich wie folgt definiert:  

Für mich ist die Arbeit der zentrale Bereich meiner Selbstverwirklichung. Ich habe eine persönliche Vision, die ich umsetzen möchte, oder bin dabei, sie zu kreieren. Ich kann mir ein Leben ohne intensive Arbeit nicht vorstellen und möchte mich immer weiterentwickeln, um etwas Großes, möglicherweise Bedeutendes mit meiner Arbeit zu erschaffen.

aus Mindfuck Job, Dr. Petra Bock, 2015

Ich habe in diesem Zusammenhang auch mit einem Coaching angefangen, um herauszufinden, wie ich diese Definition in meinem Leben umsetzen kann. Diesem inneren Gefühl von „da geht doch noch mehr“ Aufmerksamkeit zu schenken, es vor allen Dingen aber ernst zu nehmen und nicht als End-Zwanziger-Hirngespinst abzutun. Eines der Themen, die ich im Rahmen dessen aufgegriffen habe, ist die Vorstellung von meinem Traumjob. Und dabei geht es weniger um eine Position X im Unternehmen Y oder eine konkrete Form der Selbstständigkeit, sondern um das „Drumherum“, um den Ort an dem ich arbeiten möchte, die Menschen die mich umgeben, die Arbeitsweise, das Miteinander, die Farben und Formen. Kurz: Die bunte, lebhafte Vorstellung vom Traumjob, das persönliche non plus ultra. 

Wir hören so oft „das Leben ist kein Wunschkonzert“, dass wir uns gar nicht erst trauen, solche Vorstellungen laut auszusprechen. Weil wir wissen, dass das gar nicht so einfach ist mit dem Traum-Job. Das man darauf vermutlich lange hinarbeiten, Erfahrungen sammeln, Netzwerke bilden, sich beweisen, sich wieder beweisen und dann auch noch zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Glück haben muss, die Position zu bekommen, auf die man lange gewartet hat. Und dann stellen wir mit Entsetzen fest, dass die Umgebung, das Miteinander, die Farben und Formen dieser Position, die wir immer wollten, gar nicht „uns“ entspricht. 

Aus diesem Grund ist die Wunschvorstellung so wichtig. So naiv wie möglich, so groß wie du dir vorstellen kannst, ohne Limitationen, Konventionen, ohne Bedenken, was andere denken könnten. Wofür braucht man dieses Bild vor Augen? Für das tägliche Gedankenkarussell, für berufliche Entscheidungen – die kleinen und die großen, für Entwicklungspläne, für Karrieregespräche, für Situationen, in denen wir an einer Wegkreuzung stehen oder vor einer verschlossenen Tür. Dann können wir uns fragen, welcher Weg zu unserer Traumvorstellung führt, oder eher dorthin führt, oder vielleicht dorthin führt. Und dann sollten wir zielstrebig in diese Richtung gehen. 

Um dir eine Vorstellung davon zu geben, wie so ein Job-Wunsch-Konzert aussehen könnte, teile ich an dieser Stelle meine persönliche Vision vom Traumjob mit dir. Vielleicht kannst du einige Aspekte daraus auch für deine Traumjob-Verwirklichung nutzen. Oder du lässt dich einfach inspirieren, dein eigenes Vision Board ganz nach deiner Vorstellung zu gestalten. 

Hier ist sie, meine non-plus-ultra Vorstellung vom Traumjob:

Leben und arbeiten in einer Stadt

Das erste Bild, das ich beim Gedanken an meinen Traumjob vor Augen habe, ist eine pulsierende, lebhafte Umgebung. Modern-industrielle Gebäude, Cafés (mit Hafermilch), Parks, Bars, Yoga-Studios. Das Gefühl, das alles an einem Tag vereinbar ist und sich nichts zwingend an einem Ort, am selben Schreibtisch, in den gleichen vier Wänden, abspielen muss. Da kann das Café um die Ecke und die Bar im Viertel zu einem Ort werden, wo man Kollegen zum Frühstück oder Feierabend-Drink trifft und der Weg zur Arbeit nicht lange eingeplant werden muss.

Mit dem Rad zur Arbeit

In meiner Wunschvorstellung steige ich morgens nicht ins Auto. Aber auf ein schickes Rad würde ich mich schwingen, mit dem Laptop im Körbchen und der Yogamatte auf der Schulter. Ähnlich wie die Kopenhagenerinnen, über die ich hier geschrieben habe. Teilweise erscheint in meiner Vorstellung auch ein schokobrauner Labrador, der neben mir hertrabt. Der fühlt sich ganz wohl im hundefreundlichen Büro und sorgt nicht nur für kreative Denkpausen zwischendurch, sondern hilft auch, alltägliche Themen in Perspektive zu setzen und sich ein bisschen zu entspannen.

Yoga vor der Arbeit

Ich mache unheimlich gern schon morgens vor der Arbeit Sport. Da startet man energiegeladen und mit gutem Gewissen in den Tag. Meine erste Station auf dem Weg zur Arbeit wäre also ein schönes urbanes Yogaloft unweit vom Büro, das morgens ab 7:00 Uhr schon den ersten Vinyasa-Flow auf dem Programm hat. Dort treffe ich dann auf gleichgesinnte Frauen in Lululemon-Leggins, die genau wie ich dort sind, um bei anstrengenden Asanas den Kopf abschalten zu können, sich auf den eigenen Körper zu konzentrieren, auf die Atmung, und dann nach der Endentspannung die Augen aufzuschlagen und mit freiem Kopf und Leuchten in den Augen die ersten Ideen für den Tag zu spinnen. Namaste.

Coffee-to-go

Punkt vier auf meiner Liste und ich bin noch immer nicht im Büro angekommen. Diese Punkte sind aber wichtig, um langfristig ein hohes Arbeitspensum und die dafür benötigte Energie aufrecht zu erhalten. Ich finde man muss heute genau wissen, womit man sich etwas Gutes tun und den Arbeitstag so gestalten kann, dass die Balance stimmt. Dieser Punkt hat sich aus meiner Praktikums-Zeit in Kalifornien eingebrannt. Und zwar auf dem Weg ins Büro an einem netten Café vorbei zu gehen, das mir einen leckeren Oat-Milk-Cappuccino zubereitet. An Tagen, wo noch Zeit ist, würde ich den auch dort trinken. Vor dem Fenster mit Blick auf das morgendliche Treiben auf der Straße. Vielleicht würde ich auch schon den Laptop auspacken und die ersten Emails von dort beantworten. Vielleicht. 

Agiles Arbeiten und ein hochengagiertes, qualifiziertes Team

Das Büro in dem ich arbeite hat große, helle Räumlichkeiten mit hohen Decken, viele gemeinsame Arbeitsbereiche, kreative Ecken und richtig guten Kaffee – weil seien wir ehrlich, einer reicht auf keinen Fall. Ich arbeite auf einem Projekt, bei dem sich jeden Tag die Aufgaben nach Relevanz und Priorität neu sortieren. Ich weiß morgens noch nicht, welche Aufgaben konkret auf mich zukommen und welche Meetings ich über den Tag verteilt haben werde. Der Tag wird morgens im Team besprochen und daraus ergeben sich dann kleinere Arbeitspakete und Team-Konstellationen, in denen man fortfährt.  

Ich arbeite in einem Team, das hochengagiert und qualifiziert ist. Ich habe großen Respekt vor meinen Teammitgliedern und habe das Gefühl, das ich von ihnen noch einiges lernen kann.  Wir haben unterschiedliche Kompetenzen und Fertigkeiten und ich kann meine Stärken so einsetzen, dass ich einen Mehrwert für mein Team und das Projekt biete. Ich kann mir vorstellen, eine koordinierende Team-Lead Funktion zu haben, sehe mich aber nicht als klassische lineare Führungskraft. Meine Aufgabe wäre viel mehr, die Vision / den Rahmen zu schaffen, in dem das Team eigenverantwortlich agieren kann. Und gleichzeitig sicherzustellen, dass die richtigen Prioritäten gesetzt, Hindernisse aus dem Weg geräumt, Prozesse und Strukturen überdacht, verschlankt, abgeschafft werden. 

Kreative Arbeit

Mein Team arbeitet in einem Raum voller Post-its und Vision-Boards. Es gibt Zeit für kreatives Denken, Brainstorming, out-of-the-box und Design-thinking. Wer auch immer der Kunde ist, wir kennen ihn in und auswendig und haben Bilder von ihm an der Wand. Wenn uns die Post-its zu viel werden, suchen wir uns eine andere Ecke, gehen ins Café um die Ecke, in den Park, essen irgendwo einen fancy Salat und lassen uns neu inspirieren. Und wenn auch nur bei der obligatorischen Bio-Break mit dem Schokohund.

Zukunftsvisionen / Innovationen / Neues

Es gibt Menschen, die beschäftigen sich gerne mit Vergangenem, mit Geschichte, mit historischen Ereignissen. Ich bin genau das Gegenteil. Ich bin begeistert, wann immer es um Zukunftsszenarien geht, neue Arbeitsweisen, Strategien, Visionen, Disruptionen, Innovationen. Aus diesem Grund fühle ich mich im Digital Commerce so wohl. Auch das Projekt, auf dem ich in meiner Wunschvorstellung arbeite, muss mit „Neuem“ zu tun haben oder zumindest neue Wege zulassen. Ein neuer Vertriebsweg, ein neues Produkt, eine neue Lösung. Etwas, das noch nie jemand „schon immer so gemacht hat“. 

Sprechen auf öffentlichen Events

Gemäß meines MBTI-Persönlichkeitsprofils (INTJ) schwanke ich bezüglich der ersten Komponente irgendwo zwischen extrovertiert und introvertiert. Ich vermute ich komme erst einmal recht extrovertiert rüber, ziehe aber meine Energie aus Zeit mit mir selber, aus ruhigen Abenden auf der Couch, beim Yin Yoga, mit Grace & Frankie oder Harvey & Donna. Was ich aber unheimlich gern mache, ist präsentieren und über innovative Themen zu sprechen. Auch hier wieder zukunftsorientiert, disruptiv, neu. In meiner Traumvorstellung bin ich sogar richtig gut darin. Weil ich bis dahin sehr viel Übung haben werde durch Sprechen auf Networking-Events, Podcasts, Digitalen Messen und dem Ted Talk, den ich à la Sheryl Sandberg oder Brené Brown dahinschmettern werde. Und nein, auch die Vorstellung ist mir nicht zu peinlich, um sie hier zu teilen. 

Abschließend: Wie merkt man, das man die richtige Vision vor Augen hat und nicht einer Vorstellung hinterherhinkt, die gar nicht zu einem passt? Einfach mal die Augen schließen, die Vorstellung auf sich wirken lassen und in sich hineinhorchen, spüren, welche Gefühle dabei aufkommen. Bei mir ist es ein wohliges Gefühl in der Brust, ein Gefühl von Freiheit, Zuversicht, ein großer langer Atemzug, mit dem Energie reinströmt und den ganzen Körper leicht prickeln lässt. Für alles andere lohnt es sich auch nicht. Und falls es diesen Job heute so noch gar nicht gibt, dann müssen wir ihn schrittweise schaffen.

Ich hoffe ich konnte dich ein wenig inspirieren, ermutigen und zum Nachdenken bringen. Und anregen, noch heute die ersten naiven Bilder und Vorstellungen für deine Vision vom Traumjob zu spinnen.

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