Bitte warten – Was tun, wenn es gerade nicht weiter geht?

Schon wieder Oktober. Ging das schnell. Mit dem Herbstanfang und dem Anbruch der letzten drei Monate des Jahres und somit dem Jahresendspurt hört man diesen Ausspruch aktuell immer wieder. Wie schnell die Zeit vergeht. Das Jahr hatte doch gerade erst angefangen. Die Zeit vergeht wie im Flug, eine Woche schließt sich der anderen an, dann kommen Urlaub, Termine und Feierlichkeiten dazu, auf die man sich das ganze Jahr schon gefreut hatte und dann ist plötzlich der Großteil des Jahres vorbei. Schlag auf Schlag. Zum einen geht es mir da ganz genauso. Zum anderen war in diesem Jahr für mich vieles anders. Irgendwie zäher. Schwieriger. Und es gingen mehr Türen zu als auf.

Im Endlich-Om Podcast von Stefanie Luxat gab es hierzu eine tolle Folge, in der die Astrologin Luisa Hartmann erklärte, dass es gerade vielen so geht, dass dieses Jahr alles etwas schwerer fällt. Dass es trotz viel Aktionismus, Mühe und Anstrengung einfach nicht flutscht. Und dass das an der Sternenkonstellation in diesem Jahr liegt. Wer für das Thema ein bisschen empfänglich ist (oder vielleicht auch noch nicht), sollte da unbedingt mal reinhören. Ich habe mich in der Beschreibung sehr gut wiedergefunden.

Vor zwei Wochen hat sich dieses Gefühl für mich in einem tollen Sinnbild gezeigt, dass sich als Beschreibung für meine Situation nicht besser eignen könnte. Ich hatte das Glück, zum einen nochmal an einem ganz normalen Wochentag in den Geschmack meiner Kölner Laufrunde zu kommen, zum anderen hatte ich eine Stunde des Tages erwischt, in der es nicht regnete. Der goldene Herbst lässt wohl leider noch auf sich warten. Aber egal bei welchem Wetter, der Laufrunde am Rhein kann ich immer etwas abgewinnen. Mal auf andere Gedanken kommen, den Kopf frei kriegen, das Gedankenchaos sortieren. So auch an diesem Tag. Bis ich dann am Straßenübergang an der Severinsbrücke vor einer roten Ampel anhalten musste. Für gewöhnlich trippel ich dann immer etwas unbeholfen und ungeduldig auf der Stelle hin und her, dieses Mal blieb ich aber sofort stehen. 

Sinnbildlich vor der roten Ampel mit der Aufschrift: Bitte warten. 

Dieser Moment hat mir bildhaft gezeigt, was ich seit Wochen und Monaten fühle. So plakativ und so ehrlich. „Stopp. Hier geht es gerade nicht weiter.“ Und so limitierend und demotivierend diese Message auch ist, sie einmal so deutlich vor Augen zu haben, hat mir eine ganze Menge Ansätze geliefert, wie ich vielleicht besser damit umgehen kann.

Um das Bild und die Metapher noch etwas zu ergänzen: Das zähe Gefühl in diesem Jahr rührt daher, dass ich immer wieder gespürt habe „da geht noch mehr.“ Ich bin irgendwie nicht ausgelastet. Da steckt noch so viel Tatendrang, Kreativität, Lust auf Mehr in mir, dem ich bislang noch keinen Raum geben konnte. Und ich habe schon so viel angestellt, um das zu ändern. Habe mich ganz und gar nicht zurückgelehnt und gewartet, sondern immer wieder Neues angestoßen, mich auch mal ein Stück weit aus dem Fenster gelehnt, teilweise sehr mutig. Aber so richtig geändert hat sich bislang nichts.

Gefühlt stehe ich noch immer recht ungewiss vor der roten Ampel. Und wie ich bisher damit umgegangen bin, ist ungeduldig zu warten und auf der Stelle zu trippeln, ab und zu mal eine kleine Schleife zu drehen und dabei immer ärgerlicher zu werden. Was ich noch nicht wirklich getan habe, ist mal bewusst stehen zu bleiben. Einfach mal nicht zu überlegen, wie ich da jetzt rüberkomme, sondern mal innezuhalten und zu überlegen, ob und warum ich überhaupt rüber will. 

Das „Warten“ an sich ist ja schon eher negativ behaftet. Warten wir nicht ständig auf etwas? Auf das Wochenende? Die nächste große Feier? Den nächsten Karriereschritt? Den nächsten Meilenstein? Warten hat für mich ganz viel zu tun mit Ungeduld, Getriebenheit, Angespanntheit. Wer entspannt sich schon beim Warten? Wer nutzt die Wartezeit schon sinnvoll? Ich habe ja meine Warte-Strategie bereits beschrieben: Nervös auf der Stelle trippeln. 

Wie können wir die Wartezeit also effizienter gestalten? Und die negativen Gefühle und die Ungeduld ersetzen mit Gelassenheit und dem Optimismus, das alles gut wird, wie es kommen wird? Vielleicht sogar einer leisen Vorfreude, obwohl wir noch nicht wissen worauf?

Indem wir die Wartezeit nicht vergeuden und uns auf der Stelle bewegen. Indem wir nicht unser ganzes Leben „on hold“ setzen. Und indem wir die Zeit nutzen um uns umzuschauen. Zu reflektieren. Gut zu überlegen, warum die Ampel für uns gerade rot ist und hinterfragen, ob das vielleicht auch einen guten Grund haben könnte? Wenn im Laufe des Jahres alles Schlag auf Schlag passiert und wir von Ereignis zu Ereignis leben, nehmen wir uns manchmal vielleicht nicht genug Zeit auch mal stehen zu bleiben. Und dann hat das Leben so seine Art, uns eines Besseren zu belehren.

Für mich ist es eine schwierige Aufgabe, aus dem Tatendrang einen Schritt zurückzugehen und Ruhe walten zu lassen. Mal alles stehen und liegen zu lassen, ganz bei mir zu sein und darauf zu hören, was mir gerade gut tun würde. Aber auch zu akzeptieren, dass nicht immer alles einem sorgfältig zurecht gelegten Plan folgt. Und zu verstehen, dass sich Wege nicht strategisch planen lassen, sondern sich diese von alleine ebnen, wenn man heute schon macht, was im Herzen gut tut. 

Und dann hat auch das Warten ein Ende. Oder wird zumindest immer weniger. Ich wünsche es uns.

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